Gemeinsam Geschichte bewahren

Am 25. September 2026 fand im Gasthaus Bühelwirt das erste Erinnerungs- und Erzählcafé des Historischen Vereins Oberndorf statt. Mit diesem neuen Format möchte der Verein die Geschichte der Stadt aus den Erinnerungen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner dokumentieren und lebendig halten. Zum Auftakt waren Menschen aus Bühelhaiden und Zieglhaiden eingeladen, Fotos, Dokumente, Erinnerungen und Geschichten aus ihrem Lebensumfeld beizusteuern.

Rund 20 Interessierte folgten der Einladung. Die Begrüßung übernahm Vereinsobmann Peter Wimmer, der durch das abwechslungsreiche Nachmittagsprogramm führte.

Historische Einblicke und aktuelle Vereinsprojekte

Den Auftakt des Nachmittags bildete eine Bildschirmpräsentation von Peter Wimmer. Dabei stellte er das Stadtmodell von 1796 vor und erläuterte anhand historischer Aufnahmen interessante Details zur Entwicklung Oberndorfs. Zudem wurde auf die kommende Veranstaltung „Als die Franzosen kamen“ hingewiesen, die am 16. Oktober 2026 in der Aula der SMS Oberndorf stattfinden wird.

Einen besonderen Einblick gewährte außerdem ein Bericht über das historische Uhrwerk der Wallfahrtskirche Maria Bühel. Peter Wimmer informierte über den aktuellen Stand der Restaurierungsarbeiten. Das Uhrwerk wird derzeit in der Garage des ehemaligen Bezirksgerichts von Uhrmachermeister Franz Kaserer, seinem Bruder Sepp, Albert Loiperdinger, Hubert Standl und Peter Wimmer instandgesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten soll es im Depot im Dachgeschoss des Bruckmannhauses aufgestellt werden.

Darüber hinaus informierte Peter Wimmer über die Topothek „Oberndorf an der Salzach“. Anhand ausgewählter historischer Aufnahmen stellte er die vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Archivs vor. Dabei erläuterte er verschiedene Wege des Einstiegs in die Topothek und demonstrierte die Suchfunktionen anhand der Begriffe „Bühelhaiden“ und „Ziegelhaiden“. So wurde anschaulich gezeigt, wie sich historische Fotografien, Dokumente und weitere Quellen zu bestimmten Orten, Personen oder Themen rasch auffinden lassen

Historische Aufnahmen und Erinnerungen standen im Mittelpunkt des ersten Erzählcafés.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Vorträge und Präsentationen mit großem Interesse.

Der „Peng De-fu“ und seine außergewöhnliche Lebensgeschichte

Besonderes Interesse fand ein Beitrag von Prof. Josef Standl, der die Entstehung seines Zeitungsartikels über den aus Maria Bühel stammenden Missionar Franz „Bruder Pankraz“ Stampfl erläuterte. Der als „Peng De-fu“ bekannte Kapuziner wirkte mehr als vier Jahrzehnte in China und Indonesien im Gesundheitsdienst der Mission. Während eines Heimaturlaubs im Jahr 1977 entstand der Zeitungsbericht, der beim Erzählcafé vorgestellt und durch Erinnerungen des heutigen Bühelwirts, eines Großneffen des Missionars, ergänzt wurde.

Thema des Erzählcafés war auch das Wirken des Missionars Franz „Pankraz“ Stampfl.

Lebhafter Austausch und wertvolle Erinnerungen

Nach dem Ende der Präsentationen war die Veranstaltung noch lange nicht abgeschlossen. Die Besucherinnen und Besucher beteiligten sich bereits während der Vorträge mit zahlreichen Fragen, ergänzten historische Informationen durch eigene Erinnerungen und brachten wertvolle Hinweise und ergänzende Kenntnisse ein.

Auch nach dem offiziellen Programm wurde intensiv weiterdiskutiert. Der lebhafte Austausch zeigte, wie groß das Interesse an der Geschichte des unmittelbaren Lebensumfelds ist und welche wertvollen Kenntnisse in der Bevölkerung vorhanden sind.

Fortsetzung in weiteren Stadtteilen geplant

Das erste Erinnerungs- und Erzählcafé erwies sich als gelungener Auftakt. Die zahlreichen Beiträge, Gespräche und Erinnerungen machten deutlich, wie wichtig solche Begegnungen für die lokale Geschichtsarbeit sind. Aufgrund der positiven Resonanz plant der Historische Verein, das Format künftig auch in weiteren Stadtteilen Oberndorfs anzubieten.